
Den Start in dieser Serie macht das Interview mit Alex Auer, dem Gitarristen von Xavier Naidoo, der auch neben dem „Job“ bei Herrn Naidoo immer höchstbeschäftigt in Sachen Musik ist. Sein besonderes Augenmerk gilt seiner eigenen Band LAVA, die Ihr Euch unbedingt mal anhören/anschauen solltet.
Wann und wie kamst Du zur Gitarre?
Mit 14 habe ich eine Elvis-Platte bei meinen Eltern gefunden, bei denen sich sonst fast nur Klassik abspielte, und ab da war ich dem Rock´n´Roll verfallen. „Jailhouse Rock“ und „Hound Dog“ eröffneten mir völlig neue Welten!
Wie hieß Deine erste Band?
Das waren Shyboy, dort war ich Leadgitarrist und Leadsänger, und wir haben am großen Durchbruch geschnuppert, sogar mit Kontakten in die USA zu einem wirklich großen Produzenten, sind aber einfach zu jung und „zu grün“ gewesen, um das auch gut organisiert durchzuziehen, und letztlich ist es dann nicht zum großen Erfolg gekommen.
Wann hast Du Dich dazu entschieden, Berufsmusiker zu werden?
Das war eigentlich ab der Zeit mit Shyboy – abgesehen von einem kleinen etwa 9-monatigen Hänger war für mich nach meiner Entdeckung des Rock´n´Roll immer klar, dass mein Leben die Musik ist, und dass die mich auch ernähren soll.
Welcher Gitarrist ist Dein Hero?
Welche Musiker haben Dich beeinflusst?
Ein früher Held war für mich Stevie Ray Vaughan, oder auch Brian Setzer. Zunächst war ich ein Fan des cleanen Gitarrensounds, aber dann hörte ich „Spanish Fly“ von Van Halen – und Eddie van Halen hat mich dann zur verzerrten Gitarren gebracht. Auch Gary Moore fand ich immer toll, aber viele andere auch. Seit gut 10 Jahren bin ich ein großer Fan des inzwischen leider verstorbenen Danny Gatton – wieder eine ganz andere Stilart. Ich bin generell sehr breit angelegt, was Musikstile angeht, ich mag auch lateinamerikanische Einflüsse und vieles Afrikanische ist großartig.
Mit welchen bekannten Künstlern hast Du zusammen gearbeitet?
Der bekannteste ist sicher Xavier Naidoo, bei dem ich seit 2001 fest in der Live-Band bin, und auch einige Songs im Studio einspiele. Übrigens ein total netter Kerl, ein echter Mannemer Bub, sehr kreativ und inspirierend, weil er unglaublich spontan mit der Musik arbeitet.
Ich bin insgesamt vom Typ her kein „Musiker-Sammler“, der sich mit jedem bekannten Musiker brüstet, mit dem ich mal auf der Bühne oder im Studio gestanden bin. Sehr schön und intensiv war aber z.B. die Arbeit mit De-Phazz oder das letzte Album von Laith Al-Deen, das ich eingespielt habe – das war Spaß pur!
Was empfiehlst du jungen Nachwuchsmusikern bzw. hast Du Tipps für junge Nachwuchskünstler?
Wenn Ihr jung seid und es ernst mit der Musik meint – und Ihr natürlich auch WIRKLICH talentiert seid – dann steckt in Euren jungen Jahren ALLES an Energie da rein. Dann wird es was, oder es wird auch nichts, aber Ihr habt es probiert! Und wenn es nichts wird, dann habt Ihr immerhin ein wunderbares Hobby!
Ich finde solche Institutionen wie die Popakademie gut – hier wird nicht nur das Talent gefördert und eine gute fundierte Ausbildung geschaffen, sondern hier lernt man auch das, was uns bei Shyboy damals gefehlt hat:
Wie kann man mit seinem Talent auch wirklich weiterkommen? Wie sehen die rechtlichen Dinge aus? Wie knüpfe ich die richtigen Kontakte? Wie vermarkte ich mich als Künstler und wie „verkaufe“ ich meine Musik?
Hast Du auch heute noch Lampenfieber?
Ja, eigentlich immer! Mal mehr, mal weniger, aber eigentlich bin ich immer aufgeregt vor einem Gig und manchmal sogar noch während dem Gig vor bestimmten Passagen.
Was nervt am meisten auf Tour?
GAR NICHTS!!! Eine perfekt durchorganisierte Tour mit Xavier Naidoo ist für mich wie Urlaub mit meinen Musikerkumpels – ich darf mich den ganzen Tag mit Musik umgeben, wir jammen, haben Spaß und befruchten uns gegenseitig in unserer Kreativität. Ich mag auch die kleinen Sprinter-Touren mit meinen anderen Bands, da nervt dann höchstens, dass man eben selbst – mit dem Sprinter! – von Ort zu Ort fahren muss.
Macht Dir Studio- oder Live Arbeit mehr Spaß – und warum?
Ich liebe beides gleichermaßen! Im Studio arbeitet man bis zuletzt unheimlich kreativ an einem Song und auf der Bühne lebt der gleiche Song dann vor Publikum, mit dem hautnahen Kontakt zum Publikum.
Gab es Situationen, in denen Du schon mal alles hinschmeißen wolltest?
NIE! Ich hatte mal diesen kurzen Hänger in meinen frühen 20ern, in denen ich mich mit Sachen beschäftigt habe, mit denen man sich besser nicht beschäftigen sollte. Aber dann war ich wieder voll in der Musikspur. Auch heute mit Familie – ich bin inzwischen 40 und habe 2 Kinder – wird mein Leben IMMER von der Musik bestimmt. Und wenn´s nach mir geht, stehe ich auch mit 70 noch auf der Bühne!
Thema Timing: Singen und Gitarrenspielen gleichzeitig – Du kannst das ja perfekt! Hast Du Übungstipps dafür?
Das Wort sagt es schon: Üben! Üben! Üben! Es gibt Songs, da schrillen im Kopf alle Alarmglocken, wie man das hinbekommen soll. „Back In Black“ von AC/DC ist z.B. so ein Song – da beißt Du Dir schier die Zähne dran aus. Wenn es klappen soll, dann muss man das üben bis zum Geht-nicht-mehr!
Was hältst Du davon, wenn Jugendliche/Kinder gleich mit E-Gitarre beginnen und nicht den Weg über die Akustikgitarre gehen?
Ich denke, die Kids sollten mit dem starten, auf das sie die meiste Lust haben, egal ob E-Gitarre oder Akustikgitarre. Es gibt heutzutage schon für wenig Geld wirklich gute E-Gitarren, das sollte also nicht mehr ein Hinderungsgrund sein. Aber was für mich ein absolutes Muss wäre: eine Akustikgitarre sollte auf jeden Fall im Haus sein, wenn jemand dabei bleibt beim Gitarrespielen. Der direkte Ton aus dem Instrument ohne Verstärker, das unmittelbare Erlebnis beim Spielen oder bei Komponierversuchen – das ist am besten mit einer Akustikgitarre gegeben!
Kannst Du gut Noten lesen? Oder spielst und komponierst Du mehr aus dem Bauch raus?
Ich habe mir das Gitarrespielen autodidaktisch ohne Notenlesen beigebracht. Erst später habe ich gelernt, zumindest notdürftig Noten lesen zu können. Aber ich spiele und komponiere nicht mit Noten. Mir reichen da Leadsheets oder ich notiere mir die Akkorde, und das meiste mache ich sowieso nach Gehör und Gefühl.
Alex, ich danke Dir für das total angenehme und interessante Gespräch!
Alex Auer spielt u.a. folgende Gitarren:
Fender Tele Relic Nocaster, Gibson Les Paul, ES 335,
Duesenberg Carl Carlton
Anm. d. Red.: Das war ein toller Start für unsere neue Serie! Alex war unglaublich auskunftsfreudig und hat aus dem Nähkästchen geplaudert, dass es eine wahre Pracht war. Obenstehendes ist nur ein kleiner Auszug aus einem 1,5-stündigen Schwelgen in alten und in neuen Zeiten.
Infos im Web:
www.planetlava.de
www.auer-alex.de
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